Der törichte Jäger.

Er zog hinaus, das Glück zu fangen,
und jagte mit erhitzten Wangen
bis in den späten Abendschein.
Umsonst, es war ein schlimmes Jagen,
er kehrte müde und zerschlagen
in seine warme Hütte ein.

Da saß in schlichtem Werkelkleide,
dem wilden Jäger schier zuleide,
am Herde eine stille Magd.
Sie reichte ihm den Trunk, den Bissen
und ging zu Hand ihm, dienstbeflissen,
wie es dem müden Mann behagt.

Sie hatte still sich eingefunden
und ungefragt, vor Jahr und Stunden,
und ihre Treue nahm er hin.
Heut saß sie blaß zu seinen Füßen;
er ließ sie seinen Unmut büßen,
das flücht'ge Wild lag ihm im Sinn.

ªUnd muß ich mich zu Tode hetzen,
es soll mein heißes Herz ergetzen,´
rief er und rief sein letztes Wort
und kehrte grollend ihr den Rücken
und setzte über Traumesbrücken
die Jagd nach seinem Wilde fort.

Am Morgen, eh' die Vögel girrten,
erwacht' er. Seine Blicke irrten
schlaftrunken über Bett und Wand
und hin zum Herd. Da stand im Scheine
des Feuers, bleich am weißen Steine,
die Magd, ihr Bündel in der Hand.

ªWohin? Was treibt dich?´ - ªLaß mich wandern,
mein Dienst gehßrt jetzt einem andern,
leb wohl, ich kehre nicht zurück.´
Schon stand sie draußen an der Pforte,
er hört nur noch die Abschiedsworte:
ªVergiß mich nicht, ich war das Glück.´

Gustav Falke

 

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Gustav Falke

1853 - 1916


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